Urschrei

Dekadenz

Des Kutscher’s Kunst | 8 von 10 Kutschen

Als die neue CD von URSCHREI aus meinem Heimatlandkreis anstand, war es für mich
eine besondere Ehre, die CD zu einem Review zu erhalten, kannte ich die Jungs doch schon vom einen oder anderen Auftritt. Also, „Dekadenz“ in den Schacht und ab dafür. Donnerwetter, da hat sich aus den frühen Jahren ganz schön was entwickelt. Black Metal wird dem geneigten Hörer geboten, der eines Teils an alten Bands und Traditionen angelehnt ist, sich aber dennoch aufgrund diverser Merkmale richtig derbe abhebt. Zum einen haben wir die Thematik, die sich für deutschen Black Metal richtig schön durchgemischt präsentiert. Von der „Krankheit Mensch“ und der „Dekadenz“ hin zu einer „Legion“ und „Apathie“. Hier ist alles Abgründige vertreten, zum Teil werden neue Pfade der Thematiken begangen. Der andere Teil, der die Scheibe hochwertig abhebt, sind die Melodien. Selten gab es auf einem typischen Black-Metal-Album aus deutschen Landen eine derartige Melodie-Vielfalt, was das Gitarrenspiel anbelangt. Begeisterung macht sich breit. Herrlich tief fräsen sich die Leads in das Ohr und lassen die Musik URSCHREIs zu einem bisher ungewöhnlichen, aber wie bereits gesagt, hochwertigen Album werden, an  dem sich der Kenner wohl kaum satthören oder langweilen wird. Musikalisch ist alles im Lot, technisch sauber eingespielt und zum Glück mal wieder eine Produktion, die sich einen Scheiß um „Trueness“ oder Ähnlichem schert. Nein, mächtig produziert kommt die „Dekadenz“ daher, und das ist sehr gut so. Mein Daumen geht nach oben. Apropos nach oben: Da ist noch Luft drin, deshalb packe ich vorsichtig mal 8 Kutschen aus!
Der Kutscher

Metalglory Magazine | 6 von 10 Punkten

Ach du liebe Güte, noch eine Pagan-Metal-Truppe, die nichts mit den typischen Klischees und Inhalten ihres Genres zu tun haben möchte und sich eine gewisse Andersartigkeit auf die Fahnen schreibt? Was mittlerweile so ziemlich jede Band proklamiert, stellt sich oft genug als Schuss in den Ofen heraus, glücklicherweise gelingt es der fränkischen Formation URSCHREI, diese Klippe zu umfahren.

Während das Debüt „Heidenzorn“ schon im Namen klarmachte, in welche Gefilde der Marsch ging, erweitert das Zweitwerk „Dekadenz“ den Bandhorizont in musikalischer als auch textlicher Weise. Für reinen Viking/Pagan Metal fehlt den elf Stücken die gewisse Epik und das kriegerische Etwas, dies wird vielmehr durch die rohe Brutalität des Black Metals kompensiert. Auf antreibende Hymnen wird aber nicht komplett verzichtet, etwa „Frei sein“ marschiert in dieser Hinsicht glorreich voran und stellt meinen persönlichen Höhepunkt des Albums dar. Der Sound ist satt und kräftig und muss bei solchen Scheiben meiner Ansicht nach auch nicht immer klinisch-feingeschliffen sein, im Gegenteil, die sich rau voranwalzenden Gitarren machen sich sogar recht gut. Das Growling hätte ich mir dagegen an mancher Stelle noch etwas verständlicher gewünscht. Denn auch auf textlicher Ebene beschränken sich URSCHREI nicht auf die ausgetretenen Pfade, die bereits von zigtausend anderen Kriegerscharen beschritten wurden. Anstatt den immer gleichen Heldengesängen über alte Götter und die vom Met sternhagelvollen Axtschwinger widmen URSCHREI ihr Album der Dekadenz und Überheblichkeit der Menschheit, ihrer gnadenlose Ausbeutung und Unterdrückung anderer Lebewesen (nicht zuletzt sich selbst) und damit verbunden der Rückbesinnung zur respektvollen Naturverbundenheit. Zweifellos ein ehrenvolles und ernsthaftes Anliegen.

Gerechterweise muss man aber auch hier sagen, dass ebenso dieses Themenfeld schon seit geraumer Zeit sehr sorgsam durch zahlreiche Bands, gerade aus dem Folk Black Metal, abgearbeitet wird. Genau wie das Zusammenspiel von Pagan Metal mit Elementen des Black Metals. Das kann nun zweifellos nicht URSCHREI angelastet werden und darum geht es auch nicht. Aber um sich in diesem Gebiet, dass von ambitionierten kleinen bis mittelmäßig bekannten Bands hart umkämpft wird, behaupten und klar positionieren zu können, ist schon noch etwas mehr nötig als die auf „Dekadenz“ enthaltenen Songs. Die Eigenständigkeit lässt noch etwas zu wünschen übrig, wahre Höhepunkte werden nur selten gesetzt, und auch an den sehr direkten, aber halt auch etwas einfachen Lyrics kann sicher noch gefeilt werden. Alles in allem gibt es von mir sechs Punkte und damit eine leicht überdurchschnittliche Wertung, die aber auch sagt: Hier ist noch Luft nach oben. Greift sie euch, Leute!

Powermetal | 6,5 von 10 Punkten

Leere Black-Metal-Hülle, lebendiger Pagan-Stoff.

Eigentlich stand URSCHREI nach der Veröffentlichung des ersten Werkes auch schon wieder vor dem Aus. Kurze Zeit nach dem Release von „Heidenzorn“ sah sich Gründungsmitglied Felix als einzig verbliebener Musiker dazu genötigt, dem Projekt eine Pause einzuräumen. Erst kürzlich fand der Sänger und Gitarrist einen fähigen Kompagnon für den Schlagzeug-Posten und konnte sich dazu hinreißen lassen, der Sache eine zweite Chance zu geben. „Dekadenz“ ist nun die vermeintlich logischste Folge auf „Heidenzorn“ – wenngleich die Marschrichtung von URSCHREI offenbar noch keine klare Zielvorgabe hat!

Die Pagan-Einflüsse sind auf „Dekadenz“ noch einmal deutlich in den Hintergrund getreten und machen so manchem melodischen Schwarzmetall-Arrangement Platz. Gerade in der ersten Hälfte wird das Album von den Inspirationen der Vorreiter der Melo-Black-Szene dominiert; der Titelsong thront als Hymne über diesem Einstieg, das einprägsame ‚Legion‘ folgt mit ähnlicher Souveränität und Konsequenz. Und alles ist zunächst prima: Die Epik, die Harmonien, das Hymnische – man will nicht meckern. Aber je mehr Zeit ins Land schreitet, desto mehr Schwierigkeiten kommen auch auf „Dekadenz“ zu. Das radikalere ‚Frei sein‘, mit seinen wenig ausgegorenen Raserei-Abschnitten, gefällt nicht sonderlich gut, das anschließende ‚Apathie‘ nervt in den schnellen Parts vor allem mit dem klinischen Drumsound, der ein wenig an die Fähigkeiten eines Angelo Sasso erinnert. Selbst das zwölfminütige Epos ‚Welk‘ hat Probleme, die Spannung aufrechtzuerhalten, obschon sich gerade hier zeigt, wie stark URSCHREI sein kann, wenn der Pagan-Inhalt zum Leben erweckt wird. ‚Das Ende vom Anfang‘ und ‚T minus 0 Sekunden‘ gleichen schließlich wieder einige Versäumnisse aus und schließen an den Album-Auftakt an – aber die zwischenzeitlichen Misstöne hat man deshalb trotzdem nicht vergessen!

Es ist schwer, sich am Ende für oder gegen eine Empfehlung auszusprechen, denn einerseits hat „Dekadenz“ schätzenswerte Qualitäten, andererseits ist der Mittelteil des Albums auch von einigen nervigen Passagen gezeichnet, die man gerne überspringen mag. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte.
Denn: Black Metal ist nicht die Stärke von Urschrei, die heidnische Variante allerdings sehr wohl!

Anspieltipps: Dekadenz, Legion, Das Ende vom Anfang

Metal.de  | 5 von 10 Punkten

Artikel veröffentlicht am 03.11.2013

Die bajuvarischeTruppe URSCHREI beackert das Feld des deutschsprachigen Pagan Black Metals seit ihrer Gründung im Jahre 2007. Bei ihrer nun vorliegenden zweiten Veröffentlichung „Dekadenz“ setzt man den Schwerpunkt allerdings etwas mehr im straighten Black Metal als noch im schwerpaganistischen Vorgänger „Heidenzorn“. Das ist, dies vorausgeschickt, auch ganz gut so.

Während das Debüt noch durchgängig den Charme einer ambitionierten Schülerband versprühte, die aber auch jedes bekannte Pagan-Klischee bedienen wollte (stellenweise hymnischer Klargesang, kniender Krieger als Coverartwork und Songtitel wie „Urtrunk“ inklusive) und dieses auch noch mäßig kreativ aufbereitete, hat man sich auf „Dekadenz“ musikalisch und lyrisch etwas differenzierter und subtiler aufgestellt.

Textlich verarbeitet „Dekadenz“ das menschliche Fehlverhalten und den Verlust des Bezugs zur eigenen Umwelt, man gibt sich also gesellschaftskritisch. Eingebettet wird dieses Konzept überwiegend in im Mid-Tempo gehaltenen Black Metal, an dem sich Sänger Felix in elf Stücken ordentlich abmüht. Die Produktion kommt angenehm druckvoll daher, das Songmaterial stellt hier aber auch insgesamt keine besonderen Anforderungen.

Auffällig ist indes, dass URSCHREI ihr kreatives Pulver bereits recht früh verschießen: Während die nach einem kurzen Intro intonierten Songs „Krankheit Mensch“ und der Titeltrack „Dekadenz“ entweder mit bemerkenswertem Gitarrensolo oder mehrstimmigen Growls und nettem Groovefaktor daherkommen und noch aufhorchen lassen, verlieren sich die weiteren Songs, ohne neue Akzente zu setzen, im Mittelmaß. Insbesondere Titel wie „Apathie“ oder „Welk“ fallen zu stark in den bereits erwähnten Pagan-Einheitsbrei zurück. URSCHREI spielen zwar ohne größere technische Schwächen und insbesondere das Schlagzeugspiel kann mit einigen Tempowechseln und Varianten überraschen, zudem sind einige interessante Gitarrenmotive und Melodien versteckt auf „Dekadenz“. Wirklich innovativ oder gar mitreißend fällt das Material jedoch nicht aus.

URSCHREI fügen also bewährte Elemente ordentlich zusammen. Damit ist „Dekadenz“ eine solide Scheibe, die ganz gefällig ins Ohr geht, aber keine tieferen Spuren hinterlässt.